Foto: Carola Stolze

VON FRANZISKA SEIFERT

Nicht verstecken

Die GISA LIONS SV Halle müssen sich in dieser Saison der Toyota 1. Damen Basketball Bundesliga nicht verstecken. Trotz der 78:88 Niederlage das Fazit des Abends: Das war ein Basketballspiel auf Augenhöhe und ein ziemlich gutes noch dazu. Die Gegnerinnen waren die Rutronik Stars Keltern, also der amtierende Deutsche Meister. Die Damen aus Baden-Württemberg  sind zwar in dieser Saison in der Liga bisher nicht ganz so dominant wie erwartet, aber der Kader des Teams von Christian Hergenröther ist gespickt mit international erfahrenen Topspielerinnen.

Die GISA LIONS hatten sich gut auf Keltern vorbereitet und starteten konzentriert in die Partie. Durch gute Verteidigung und Effektivität in der Offensive gingen die Gastgeberinnen Mitte des ersten Abschnitts in Führung und bauten diese bis auf 22:17 zum Viertelende aus. Im zweiten Abschnitt blieben die Löwinnen mit vier schnellen Punkten zunächst in Führung. Gästecoach Hergenröther, der an der Seitenlinie mit viel Energie agierte, wechselte häufig und suchte nach der besten Rotation für diesen Abend. Besonders wenn Sanja Mandic und Alexandria Kiss-Rusk auf dem Feld waren, hatten es die LIONS schwer in der Verteidigung. So konnte Mandic nach 15 Minuten für die Rutronik Stars zum 26:26 ausgleichen. Das verursachte bei den LIONS eine Art „Wake-Up-Call“ und sie legten auch im Angriff wieder eine Schippe drauf. Schöne Aktionen von Deeshyra Thomas, Jasmine Gill und Rachael Vanderwal und die besonders gut aufgelegte Meret Kleine-Beek brachten die Löwinnen wieder in Führung. Ein toller Fastbreak von Vanderwaal auf Charlotte Kreuter stellte zwischenzeitlich sogar eine 9-Punkte-Führung ein (41:32, 19. Minute). Mit 41:36 ging es in die Kabine. Beide Mannschaften waren in der ersten Halbzeit in fast allen Statistiken nahezu ebenbürtig. Auch im Rebounden zeigten sich die Löwinnen nach zuletzt großen Problemen aktiver und waren damit auch erfolgreich. Nach der Pause schenkten sich die Teams weiterhin keinen Zentimeter. Jeder freie Ball war umkämpft und jede Aktion musst sich hart erarbeitet werden. Da blieben Fouls nicht aus und die schmerzten die GISA LIONS ein bisschen mehr. Laura Schinkel musste kurz nach Beginn des dritten Viertels bereits mit 4. Fouls erst einmal auf der Bank pausieren, ebenso Kleine-Beek, die ihr 3. Foul kassierte. Doch auch in dieser hitzigen Phase blieben die Hallenserinnen cool und konnten ihre Führung durch tolle Punkte von Kreuter, Thomas und Klaudia Krudzien sogar auf 61:51 ausbauen. Keltern reagierte mit einer Auszeit. Beim 65:57 waren noch 0.3 s auf der Uhr und die GISA LIONS hatten Einwurf unter dem eigenen Korb. Der ging ganz schnell in Krudziens Hände, die drückte ab und traf. Spielstand 67:57 und die Fans der GISA LIONS in der SWH.arena jubelten ob dieses mentalen Boosters für ihr Team. Aber das war leider zu früh gefreut. Nach Diskussionen in der Viertelpause wurden den Gastgeberinnen die beiden Punkte wieder aberkannt und plötzlich lag das Momentum bei den Gästen. Stück für Stück schmolz der Vorsprung der GISA LIONS und fünf Minuten vor Schluss glich Topscorerin Kiss-Rusk (23 Pkt.) für die Rutronik Stars zum 71:71 aus. Eigentlich war zu diesem Zeitpunkt noch nichts verloren. Die Löwinnen spielten immer noch gut. Dann ließen sie aber immer öfter freie Würfe aus und insbesondere taten sich Lücken in der zuvor so verlässlichen Defense auf, die Keltern eiskalt ausnutze. Angeführt von Mandic übernahmen die Gäste nun nicht nur die Führung, sondern auch die Spielkontrolle bis zum 78:88 Endstand. Über 35 Minuten zeigten die GISA LIONS an diesem Abend, dass mit ihnen in der Saison 2021/22 zu rechnen ist. Tolles Teamspiel, gute Verteidigung und der Fakt, dass jede Spielerin, die auf das Feld kommt, ihrem Team etwas gibt, sind die Stärken der Basketballerinnen aus Halle. Am Ende hat es gegen die international erfahrenen Damen aus Keltern jedoch noch nicht gereicht.

Katerina Hatzedaki war nach dem Spiel natürlich enttäuscht, dass die Überraschung nicht gelungen war, wusste aber auch, woran es gelegen hat: „Wir haben über weiter Strecken des Spiels genau unseren Spielplan umgesetzt, leider waren wir nach diesem intensiven Spiel am Ende zu müde – physisch und auch mental.“ Daran will sie mit ihrem Team weiterarbeiten, um 40 Minuten diese Energie und dieses Spielniveau zu halten.

Die nächste Möglichkeit dafür bietet sich kommendes Wochenende bei den SNP Bascats Heidelberg.

GISA LIONS SV Halle: Kleine-Beek (19 Punkte/3 Dreier/1 Rebounds), Gill (15/1/1, 4 Assists), Vanderwaal (9/1/1), Schinkel (8/-/3), Kreuter (7/1/2), Thomas (7/1/1), Krudzien (5/1/6), Kasparkova (4/-/2), Stach (-/-/1), Tanacan (4/-/1), Oswald