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VON ANDREA HEISE

Der Sport bietet allgemein viele Facetten, er begeistert, er enttäuscht, er bringt tragische Helden hervor aber auch jene, die ob ihrer außergewöhnlichen Leistung unvergessen bleiben. Sportzuschauer erleben bisweilen ein breites Spektrum an intensiven Emotionen – Freude und Euphorie, Niedergeschlagenheit und Trauer, Spannung und Erleichterung, Enttäuschung und Wut und am Ende gibt es nüchtern betrachtet immer Sieger und Verlierer.
Diese Tatsache mussten die GISA LIONS beim gestrigen Gastspiel in Wasserburg erfahren. In einem lange in Erinnerung bleibenden Spiel kämpften beide Mannschaften bis zur Erschöpfung um den Sieg, den am Ende das Team von Rebecca Thoresen nach unglaublichen vier Verlängerungen mit 100:98 feierte (vertraut man den Recherchen von Thomas Brüning, gab es  ein vergleichbares Spektakel am 27.10 2010, als die Rhein Main Baskets und Wolfenbüttel aufeinandertrafen – Endstand damals 113:116).
Dabei war das definitiv eine Begegnung, die keinen Verlierer verdient hat. Glückwunsch und Anerkennung für die Damen vom Inn, die mit diesem Team definitiv nicht in der zweiten Liga gehören und selten wurde ein Abstieg mit solch spielerisch lautstarken Pauken und Trompeten vollzogen.
Die Lions starteten gut in die Partie, die 3er von Meret, Laura und Eilidh waren erfolgreich, wurden jedoch auf Wasserburger Seite durch Sarah Mortensen egalisiert, die nach ihrer Einwechslung traumwandlerisch sicher alle ihre Distanzwürfe verwandelte, so dass das erste Viertel 22:20 endete und mit einem Spiel auf Augenhöhe zu rechnen war. 
Im zweiten Viertel machte Mortensen heiter weiter und wurde nun unterm Korb von Ana Vojtulek unterstützt, die ihre Cleverness und Größenvorteile gnadenlos ausnutzte, was den Wasserburgerinnen in Sachen Punkte und Rebound Vorteile im zweiten Spielabschnitt verschaffte. Beim Stand von 40:33 wurden die Seiten gewechselt.
Nach der Pause schienen beide Teams die Treffsicherheit in der Kabine vergessen zu haben, viele gut herausgespielten Angriffe wurde nicht verwertet, der Kampf blieb davon unberührt und nach einem low score Viertel schafften es Hebecker &C o den Vorsprung auf 52:43 auszubauen und die ersten Fans in der Halle glaubten jetzt an das Wunder des Sieges mit 17 Punkten.
Dagegen wehrte sich das Team von Katerina Hatzidaki vehement und während es erneut Ana Vojtulek war, die die Wasserburger Punkte vorwiegend an der Freiwurflinie erzielte, fand nun vor allem Deeshyra Thomas ihr Zielwasser und traf nach einer energiegeladenen Aufholjagd den berühmt berüchtigten Buzzerbeater, der das Resultat auf 64:64 stellte und die Verlängerung bedeutete.
In der ersten Overtime befanden sich Damen vom Inn schon fast auf der Siegesstraße, bevor Eilidh an der Freiwurflinie weitere 5 Minuten erzwang (72:72).
Den nächsten Abschnitt schulterten in der Offensive Meret und Deeshyra und für die Wasserburgerinnen war es wieder Vojtulek, die unter dem Korb dominierte (80:80).
Weiter ging die wilde Fahrt. In der dritten Verlängerung nahm Charlotte ihr Herz in beide Hände und traf zwei 3er nacheinander. Damit ließ sie die Hallenserinnen für einen kurzen Moment vom Sieg träumen, bevor es Laura Hebecker vorbehalten war, einen weiteren Distanzwurf zu versenken, der eine vierte Verlängerung brachte (90:90).
Abermals war es die über das gesamte Spiel nie zu stoppende Nummer 7, die den am Ende ihrer Kräfte befindlichen GISA LIONS die 100 einschenkte und damit den Erfolg sicherte.
Coach Hatzidaki fasst das Spiel wie folgt zusammen: “Ich bin sehr stolz auf alle meine Spielerinnen, denn sie haben alles gegeben. Für mich war es das erste Spiel mit vier Verlängerungen. Es zeigt die Moral meiner Mannschaft, die bis zur letzten Sekunde gekämpft hat. Wir wussten, dass es ein schweres Spiel wird, da Wasserburg nach dem Trainerwechsel viel besser agiert und große Siege gegen Rheinland und Keltern hatte. Wir waren gut vorbereitet und obwohl Eilidh nach der leichten Gehirnerschütterung aus dem Saarlouis-Spiel und Devran, sowie Jasmine mit Verletzungen erneut ausfielen, haben wir über weite Strecken gut gespielt. Leider verloren wir alle Spielerinnen unserer starting five mit fünf Fouls, was den Spielplan stark veränderte. Aber jede Einzelne hat alles gegeben für den Sieg. Leider hat es nicht geklappt, aber die tolle Leistung bleibt definitiv im Gedächtnis!”
Tatsächlich wird es sicherlich noch etwas dauern, bis die Löwinnen nach der Enttäuschung dennoch mit Stolz auf diese 60 Minuten blicken werden. Leider sind genaue statistische Angaben auf Grund technischer Probleme während der Übertragung nicht möglich, aber die Foulbelastung der GISA LIONS war am Ende definitiv ein Faktor. Erneut gilt bei der Ursachenforschung immer zuerst die eigenen Fehler zu analysieren, aber vielleicht wird diese besondere Spiel von vielen ein zweites Mal angeschaut, um dann festzustellen, dass bei der an diesem Tag wahnsinnig positiven Frauenpower auf und neben dem Spielfeld, die aktiv beteiligten Herren definitiv die Schwächsten waren.

LET’S GO LIONS!

Mit Vorbehalt die Statistiken:
Thomas 25 Punkte, 5 Rebounds, 5 Assists;  Schinkel 15 Punkte (in knapp 21 Minuten), 2 Steals, 2 Rebounds ; Kasparkova 10 Punkte, 6 Rebounds ; Vanderwal 5 Punkte, 7 Rebounds, 6 Assists ; Tanacan bereits nach 2 Minuten verletzt, musste in der Verlängerung trotzdem spielen ; Stach 2 Punkte, 1 Assists, 1 Rebound ; Kleine-Beek 22 Punkte (6 Dreier), 2 Assists, 4 Steals ; Grudzien 2 Punkte, 5 Rebounds; Kreuter 9 Punkte (3 Dreier), 3 Rebounds, 1 Steal ; Simpson 10 Punkte, 3 Rebounds, 4 Assists